Die Situationisten, eine Künstlergruppe aus den 60ern die den Lettristen nahe stand, erwogen die Abschaffung von Arbeit, materiellen Werten und Hierarchien. Ihre Aufgabe bestand in der Produktion von Situationen. So forderten sie bspw. Lichtschalter an Straßenlaternen zu montieren und andere spektakuläre und gesellschaft-verändernde Dinge. Kurzum: saumäßig bekloppte Sachen. Besonders hervorzuheben ist die sog. "Psychogeografie", die sich mit Geografie, Architektur und Psychologie beschäftigt. Was heute sogar Anwendung bei Stadtplanern findet, war früher künstlerische (Un-)Absicht.
So dokumentierten die Situationisten ihrer Eindrücke, wärend sie sich in unbekannten Städten absichtlich verliefen. Hilfsmittel waren dabei falsche Stadtpläne und Drogen. Zugegeben, das klingt bescheuert - und das ist es auch. Doch bei genaueren hinsehen ist diese Methode wichtig, um bspw. ein subjektives Stadtbild zu formen. Was einem wichtig? Was gefällt? Was stößt ab? Was ist praktisch? All diese Fragen wurden nach oder während eines Spaziergangs festgehalten. Aus den Dokumenten ließen sich komplett neue Stadtbilder formen. Stadtteile rückten näher zusammen oder entfernten sich, wurden größer oder verschwanden von der neuen Stadtkarte.
Heute, einige Jahre später erfreuen wir uns an den sog. Flash-Mobs. Leute treffen sich scheinbar zufällig an öffentlichen Orten und tun gemeinsam ein und die selbe Sache. Sie stehen rum, klappen alle auf einmal Regenschrime auf usw. Sie produzieren Situationen.
Organisiert wird das ganze übers Internet. Und da ist der Haken. Heute können sich die Menschen über das Internet viel besser organisiseren. Proteste, Petitionen, Demonstrationen wandern heute ab ins Internet. Denn auch dort werden Situationen erzeugt. Situationen die eines im Sinn haben: Zerstreuung, Umkehrung oder einfach nur die Erzeugung von Gegengewichten zur scheinbaren Machtlosigkeit des Einzelnen.
Situationismus 2.0 ;) oder?
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