Irgendwie fühle ich mich durch das Minarett-Verbot in gewisser Weise betroffen. Schade. In meinem Semester in Zürich habe ich sogar knapp neben dem ersten schweizer Minarett gewohnt. Der Anblick störte mich nicht und machte mir auch keine Angst.
Aber das Verbot zeigt, dass die Schweizer jetzt langsam die Schnautze voll haben. Leider liest man in den Medien von einer "Angst vor dem Islam". Und schon haben wir wieder die polarisierende Berichterstattung der Medien.
Man sollte dabei einfach mal etwas weiter denken und schauen, wie weltoffen die eigentlich sind. Man beachte mal zum Beispiel den Ausländeranteil in Zürich. Der ist nämlich sehr hoch. Man sollte auch bedenken, das die besten aller Zeiten für die Schweiz vorbei sind. Es gibt dort auch Arbeitslose. Soll man nicht denken. Die Gehälter schrumpfen, die Hoffnung auf Sicherheit schwindet. Ja, ich kann mir vorstellen, dass die Leute langsam missgünstig werden anderen Kulturen gegenüber. Was im Übrigen nicht nur gegen den Islam gerichtet ist.
Man sollte auch bedenken, dass die Schweizer ein kleines Land sind und immer im Schatten von Deutschland stehen. Ehrlich gesagt waren die Schweizer für mich deutscher als die Deutschen selbst. Aber das ist rein subjektiv. Ich muss aber auch sagen, dass ich hier und da eine Art Ablehnung anderen Kulturen und Völkern gegenüber empfand. Und ich denke, dass das was vorhanden ist, mit anderen zu teilen, immer schwieriger wird. Kombiniert mit einer polarisierenden Berichterstattung kann ich mir schon vorstellen, dass die Leute diese Abstimmung als Ventil benutzten. Das Ergebnis dieses Beschlusses ist m.E. mehr ein Indikator für die generelle Situation in der Schweiz, und nicht einzig und allein gegen den Islam gerichtet ist. Das ist Quark. Würden die Schweizer abstimmen, Bayrische Restaurants zu schließen, würden wir wahrscheinlich ein ebenso überraschendes Ergebnis bekommen.
Darum finde ich es schade, dass jetzt gleich nach Nationalismus gerufen wird. Zugegeben, das hat schon den Anschein und sicherlich auch einen Anteil - aber einzig Nationalismus? Ich weiß ja nicht. Demokratie hin oder her: manchmal ist es einfach nicht gut, Leute entscheiden zu lassen, die sich von ihren Gefühlen lenken lassen, als mal drüber nachzudenken. Vor allem finde ich es bedenklich, wenn die auch noch Plakate aufhängen und für das Votum werben. Wenn schon alle abstimmen dürfen, dann sollte man sie nicht mit so plumpen Mitteln beeinflussen, manipulieren?
Freiheit heißt vor allem: Nicht das tun zu müssen, was man soll. Und ich glaube auch, dass Religionen eh auf lange Sicht keinen Bestand haben werden. Das zeigt die Geschichte. Also können wir die Hürden nehmen, in dem sowas NICHT passiert. Ich tippe mal noch auf 20 bis 30 Generationen und dann sind Religionen vom Tisch. Zumindest überwiegend.
Link zu dieser Seite:
http://www.seekwhencer.de/de/blog/off-topic/hach-die-schweizer